Willy Wirthgen – le fusillé oublié du fort de Bondues

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willy wirthgen 17032929.3.2017 - « Willy Wirthgen – der vergessene Hingerichtete vom Fort de Bondues ». Unter diesem Titel berichtete kürzlich „Liberté hebdo", die wöchentlich erscheinende Regionalzeitung der PCF (Parti Communiste Francais) für Nord/Pas de Calais (also den größten Teil Nordfrankreichs) über den Allgäuer Antifaschisten, Gewerkschafter und Kommunisten Willy Wirthgen (siehe wikipedia-Artikel und diverse Artikel auf dieser Seite) sowohl auf der Titelseite, als auch auf der Seite 3. Willy Wirthgen wurde bekanntlich im April 1944 im Fort de Bondues bei Lille in der Folge eines Todesurteils des Feldgerichts der 16. Flak-Division der faschistischen Wehrmacht wegen Wehrkraftzersetzung erschossen. Im Fort de Bondues wurden auch 68 französische Résistanceangehörige erschossen, denen heute dort ein „Musée de la Résistance" (Museum des Widerstands) gewidmet ist.

Der Artikel in der französischen Zeitung bringt mit dem „vergessenen Hingerichteten" zum einen die spät einsetzende Erforschung der Biografie Wirthgens (beginnend vor der Stolpersteinverlegung im Jahre 2010) zum Ausdruck, als auch die Vervollständigung der „Liste der 68" in dem Museum. Hierzu muß man natürlich beachten, dass die Résistance aus ganz verschiedenen politischen Kräften zusammengesetzt war. Erst auf Initiative der PCF verständigten sich diese auf einen „Nationalrat der Résistance". Insofern ist es verständlich, dass das Museum im Fort de Bondues die gaullistischen Kräfte in der Résistance eher in den Vordergrund rückt, als die kommunistischen. Zudem war die Region auch während der deutschen Besatzung traditionell sehr anglophil (englandfreundlich). Man war sehr dankbar für den Einsatz der britischen Luftstreitkräfte und Fallschirmeinheiten, ebenso für den der britischen Geheimdienste und der von England aus operierenden gaullistischen Kräfte. Da ist die Sympathie für einen Angehörigen der faschistischen Luftabwehr, der Willy Wirthgen nun einmal war, zunächst nicht selbstverständlich.

Andererseits ist festzuhalten, dass von den 68 französischen Opfer des Fort de Bondues etwa die Hälfte Kommunisten waren. Ebenso in den verschiedenen anderen Forts in der Umgebung von Lille, die dort seit dem 17.Jahrhundert, beginnend mir dem berühmten „Rüstungsarchitekten" Sébastien Vauban, erbaut wurden. Sie hatten jedoch schon im Ersten Weltkrieg kaum mehr militärische Bedeutung und dienten während der deutschen Besatzung hauptsächlich als Munitions- und sonstige Depots und eben als Hinrichtungsstätten. Nur 6 km vom Fort de Bondues entfernt liegt das Fort du Vert Galant, in dem ebenfalls 80 Franzosen „füsiliert" wurden, davon 80% Kommunisten. Ebenso wurden in der Zitadelle von Lille 25 Widerständler erschossen, alles Kommunisten. Vielfach waren es Bergarbeiter, die im „Großen Streik der Bergarbeiter" im Mai/Juni 1941 mit 100.000 Beteiligten und mit Sabotagehandlungen gegen ihre Ausbeutung für die deutsche „Raubwirtschaft" Ausdruck verliehen. In der Zitadelle von Arras wurden 215 Widerständler erschossen, davon 80% Kommunisten. Im Fort de Seclin gab es 60 Erschossene, davon 50% Kommunisten.

Insgesamt gab es in der Region um Lille ca. 550 „Füsilierte" und „Guillotinierte", sowie etwa 8000 Deportierte in deutsche KZ's und Zwangsarbeitslager. Nicht inbegriffen die jüdischen Deportierten.

Am Fort du Vert Galant findet alljährlich am 1.April eine Gedenkfeier der PCF und anderen Kräften statt, die auch vor allem viele nichtfranzösische Opfer einschließt. Denn die Nazis verfrachteten ab 1941 auch Menschen aus aller Herren Länder Europas zur Arbeit in den Bergwerken und der Chemie-, Metallurgie- und Textilindustrie in der Region. Im Juni wird von der BiMOI (Bibliothek der internationalen Arbeiterbewegung) in Lille eine Veranstaltung durchgeführt, die die Rettung von 80 Juden durch 24 Eisenbahner des Depots Lille und einem Abbé aufarbeitet. Es sollte dort 1942 ein Transport von 500 Juden nach Auschwitz zusammengestellt werden. Die Eisenbahner („les cheminots") entschlossen sich spontan zu der Rettungsaktion, mit der sie die 80 Personen, darunter viele Frauen und Kinder, im Schutze der Dunkelheit versteckten. Sie betätigten sich somit gewissermassen als „Stolpersteinverhinderer".

Obige Ausführungen haben nichts mit dem Text der Artikel in der „liberté hebdo" zu tun. Dort wird die Biografie, wie sie bis dato bekannt ist, wiedergegeben. Auf der Titelseite wird zusätzlich angemerkt: „Seine Geschichte zeigt den Mut, den die deutschen Antinazis ab 1930 bewiesen". Parallel zu den Artikeln in der PCF-Zeitung wurde Willy Wirthgen auch in das biografische Wörterbuch der internationalen Arbeiterbewegung,"Le Maitron", das an der Universität von Paris geführt wird, aufgenommen:
http://maitron-fusilles-40-44.univ-paris1.fr/spip.php?article189606&id_mot=9448

 

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