Kommerz gegen Natur: Der Eiertanz um das Riedberger Horn

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skigebiet grasgehren-bolgengrat 223.8.2016 - Im Juli fand sich Horst Seehofer zum Ortstermin am Riedberger Horn ein. Ein paar Wochen später Finanz- und Heimatminister Markus Söder an gleicher Stelle. Denn seit ein paar Jahren köchelt das Problem „Skischaukel am Riedberger Horn" vor sich hin. Nun sollen im Herbst Bürgerbegehren in den Gemeinden Obermaiselstein und Balderschwang das Problem lösen, das die bayerische Landesregierung nicht lösen kann. Denn die beiden Gemeinden wollen eine Skiliftverbindung zwischen ihren seit langem bestehenden Liften an der Ostseite und der Westseite des Riedberger Horns bauen, dies allerdings durch die strengstens geschützte Alpenschutzzone C, die solches nicht zulässt (siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Alpenplan).

Die beiden Skigebiete gelten trotz nicht allzu hoher Lage (Riedberger Horn 1787 m, Passhöhe Riedbergpass 1450 m, Balderschwang 1044 m) seit eh und jeh als ziemlich schneesicher. Inzwischen zwar auch mit Beschneiungslagen ausgestattet, kommen sie aber weitgehend ohne deren Nutzung zurecht. Im Vergleich zu anderen Skigebieten sind die Liftanlagen relativ kurz und vor allem bei Familien mit Kindern sehr beliebt. So passiert es immer wieder, dass an schönen Winterwochenenden schon am Fusse des Riedbergpasses in Obermaiselstein per Leuchtschild aufgezeigt wird: „Alle Parkplätze belegt". Und bei Schneegestöber zeigt die Anzeige: „Schneekettenpflicht". Man hatte also bis dato gelegentlich schon seine Probleme, überhaupt in die nun zu verbindenden Skigebiete zu gelangen.

Wie soll das dann mit der Skischaukel aussehen, mit den Parkplätzen? Weniger haben die Skitourengeher damit Pronleme, die immer gerne den Riedbergerhorngipfel ansteuern, ebenso wie die Schneeschuhwanderer. Außer von der Riedbergpasshöhe kommen diese über die berühmte „Hörnertour" (Ofterschwanger Horn, Sigiswanger Horn, Rangiswanger Horn, Ochsenkopf) als auch von Balderschwang oder vom Blaicher Horn/Gunzesrieder Tal). Insofern könnte man auch meinen, es ist ohnehin ständig gut Betrieb am Riedberger Horn, die Skischaukel machts nun auch nicht aus. Entscheidend in diesem Fall ist jedoch der Südwest- und Westabhang, in dem relative Stille herrscht und seltene Flora und Fauna gedeihen lässt. Und genau dieser soll nun durch die Skischaukel durchschnitten werden.

Nun ist der Alpenplan und damit die Schutzzone C überregional und international vertraglich vereinbart und die Natur- und Umweltschutzverbände (Alpenverein, BUND etc.) pochen auf deren Einhaltung. Die beiden Gemeinden und die örtlichen CSU-Granden spekulieren aber auf ein „Zielabweichungsverfahren", das den Alpenplan also örtlich außer Kraft setzt. Auch eine Vergrößerung des Gebiets der Schutzzone C am benachbarten Wannenkopf, der zur Gemeinde Bolsterlang gehört, wurde als Ersatz ins Gespräch gebracht. Der Bolsterlanger Bürgermeister reagierte empört, da er bis dato in die ganze Diskussion überhaupt nicht einbezogen wurde.

Die bayerische Umweltministerin Ulrike Scharf ist konsequent gegen den Plan, die Umweltschutzzone C auszuhebeln. Ebenso die Grünen in der Region. Seehofer und Söder sind dafür oder eiern zwischendurch. Die SPD äußert sich fast gar nicht zu dem Thema. Die Umweltschutzverbände werden, wenn das Volksbegehren zugunsten des Baus der Skischaukel ausgehen sollte, vor Gericht gehen. Bislang geht man allseits davon aus, dass die 900 Bürger von Obermaiselstein und Balderschwang um der Arbeitsplätze willen, die man ihnen in Aussicht stellt, für die Skischaukel stimmen werden. Sicher ist so etwas nicht: Wurde doch im Kleinwalsertal (gehört zu Österreich, ist aber deutsches Wirtschaftsgebiet) im Jahre 2012 von der Bevölkerung in einer Volksabstimmung (so heißt das in Österreich auch auf Gemeindeebene) gegen eine talüberspannende Panoramabahn zwischen Hohem Ifen und Walmendinger Horn votiert und den kommerziellen Prognosen eine Abfuhr erteilt.

Das Allgäu hat ein paar, durch besondere geografische Lage, weniger durch die Höhe, begünstigte Gegenden, in denen bislang reichlich Schnee fällt. Die Gegend um das Riedberger Horn gehört dazu. Dennoch gehen auch die Planungen der strittigen Skischaukel nur von maximal 30 Jahren aus. In der Konkurrenz mit den zentralalpinen österreichischen, schweizerischen, französischen Skigebieten haben Obermaiselstein und Balderschwang ohnehin keine Chance. Die Stimmen nach einem „sanften Tourismus", der Stille, Ruhe und des Naturgenusses statt Rummel und Eventhascherei verspricht, werden lauter, aber können sich noch nicht so recht durchsetzen. Kein Wunder, konnte doch Balderschwang jahrzehntelang die höchsten CSU-Ergebnisse bei Wahlen in Bayern vermelden: der einzige SPD-Wähler (und in jüngerer Zeit kam auch noch die eine oder andere Stimme für die Grünen dazu) konnte nie identifiziert werden.

Die örtliche Planung auf maximal 30 Jahre auf Grund scheinbar bedingungslos hinzunehmender Verhältnisse kann nicht die Lösung sein, weder am Riedberger Horn, noch am Sudelfeld noch sonst wo. Es gilt endlich, weltweit die Klima- und Umweltbedingungen nicht kapital- und konzernadäquat, sondern human zu gestalten.

 

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