Engelhardt-Preis für „react!OR“ Kempten

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Dieser Tage erhielt das selbst verwaltete Jugendzentrum „react!OR“ in Kempten (siehe auch  http://react.or.ke ) bzw. das damit verbundene „Antirassistische Jugendaktionsbüro“ (siehe auch  http://react.or.ke/antira/ ) den Klaus-Bruno-Engelhardt-Preis, verbunden mit einem Preisgeld von 1000 Euro und einem Besuch im Thüringischen Landtag (?). Bruno Engelhardt (verstorben 2014) war Aktivist gegen rechts und Neonazis in Nordbayern, Vorsitzender der VVN-BdA Hof/Wunsiedel und Mitbegründer der Gedenkstätte „Schwarzer Gang“ in Schwarzenbach/Saale. Sein Vater war in vierjähriger Haft im KZ Dachau, seine Mutter Emma Engelhardt viele Jahre aktive Gewerkschafterin, Betriebsrätin und Kommunistin in Schwarzenbach. Auch Bruno Engelhardt war vor 1990 lange Zeit in der DKP und hatte verantwortliche Funktionen in Nordbayern.

Eva Bulling-Schröter (MdB) und Sprecherin des Landesverbands Bayern der LINKE hielt die Laudatio: „Das Antirassistische Jugendaktionsbüro steht für ein unerschütterliches Engagement gegen Neonazismus und Rassismus, für tolle Bildungsangebote und für einen von ihnen geschaffenen Raum für politische Ideen und ihre Umsetzung. Ihre Aktivitäten wie das Aufdecken, Dokumentieren und Hinweisen auf neonazistische und rassistische Vorfälle, sowie der Appell, etwas dagegen zu unternehmen, … sind einzigartig in der Region“.

Peter Ohlendorf, Autor des (auch vom react!OR in Kempten präsentierten) Dokumentarfilms über die deutsche Neonaziszene „Blut muß fließen“ sieht im react!OR eine wichtige firewall in Schwaben gegen rechtspopulistische und faschistische Tendenzen.

„React!OR“ – eine Verbindung von Reagieren und Offener Raum wurde 2012/13 gegründet, nicht ohne 13 Monate Fördermittel der EU in Anspruch zu nehmen. Zu seinen Aktivitäten zählten u.a. die nun schon seit drei Jahren jeweils im April stattfindende Demonstration gegen die Ermordung von Peter Siebert in Memmingen durch einen Neonazi, was durch die Behörden nicht als eine Tat mit rechtsextremem Hintergrund eingestuft wurde. Desgleichen eine grosse Demonstration in Kaufbeuren gegen die Ermordung eines Spätaussiedlers und Familienvaters aus Kasachstan durch einen Täter mit neonazistischem Hintergrund, der unbeteiligt am Rande einer tätlichen Auseinandersetzung auf dem Tänzelfest ins Visier des Täters geriet. Auch dies wurde nicht als Tat mit rechtsextremem Hintergrund eingestuft. Der react!OR organisierte auch eine Wanderausstellung über die 184 politischen Morde in Deutschland seit 1990 in Lindau, Kempten, Kaufbeuren und Memmingen. Zweimal fanden auch Aktionen gegen Konzerte der rechtspopulistischen Band „Freiwild“ in der Kemptener „Big Box“ statt, immer verbunden mit umfangreicher Dokumentation und theoretischer Auseinandersetzung. Auch in den jüngsten Angriffen auf Flüchtlingsunterkünfte in Marktoberdorf und Kaufbeuren, sowie den Allgida-Aufmarsch in Obergünzburg gehörte das Antirassistische Jugendaktionsbüro zu den ersten „Hellhörigen“, die zu Gegenaktionen aufriefen. In der ersten grossen Flüchtlingswelle gehörte react!Or zu einem wichtigen Anlaufpunkt, wo den Flüchtlingen Rat und Infrastruktur zur Verfügung gestellt wurde. Daneben gehörten auch sonntägliche Filmveranstaltungen mit begleitendem Imbiss, oft vegetarisch und vegan, unter dem Namen „Filmvras“ zum regelmäßigen Programm. Hier ging es auch um eine Dokumentation der starken anarchistischen Kräfte im Spanischen Bürgerkrieg. Auch Vorträge über den Sinn oder Unsinn der derzeitigen Form des Strafvollzugs gehörten zum Programm. Auch einen Vortrag über die profilierten Kemptener Kommunisten in der Zeit von 1918-1945, Adolf Schmidt und Willy Wirthgen, fand dort statt. Erweitert wird das Schaffen im react!OR in der regelmäßig erscheinenden Zeitschrift „Verrönscht und Zugenetzt“.

Der „Umsonstladen“ (der eine gibt, was er nicht braucht, der andere holt davon, was er braucht), der sich ebenfalls im react!OR befindet, hat seine Stammkunden, die dann auch schon mal interessiert den dort stattfindenden Diskussionen im „Offenen Raum“ zuhören.

Herzlichen Glückwunsch zum Engelhardt-Preis!

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