1500 Menschen weisen „Allgida“ in Obergünzburg in die Schranken

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29.2.2016 - Am 20. Februar 2016 marschierten unangemeldet 150 Mitglieder der rechten Szene und Asylgegner in Obergünzburg auf. Fackeln, Balkenkreuzfahnen in Schwarz-Rot-Gold und der Hitlergruß gehörten zu ihrem Repertoire. Die Parolen waren „Wir sind das Volk“, „Merkel muß weg“, „es gibt kein Recht auf Volksverrat“ und „AfD“. Nun war allerdings in den neuen Medien durchaus zu ersehen, dass sich etwas zusammenbraut. Nur „weil sich die Hinweise nicht verdichteten“, gaben sich Polizei und Bürgermeister äußerst überrascht und es dauerte seine Zeit, bis letztlich ein Dutzend Polizisten vor Ort waren.

Etwa 50 Demokraten und aufmerksame Bürger, sowie Mobilisierte vom „Antirassistischen Jugendaktionsbüro“ in Kempten nahmen die Hinweise im Internet ernst und hielten den Rechten Transparente entgegen mit „Gegen Nazis und ihre Umtriebe“ und „Rassismus aus den Köpfen - Nazis von der Straße jagen“.

Obergünzburg wollte das aber so nicht stehen lassen. Die Marktgemeinde (zwischen Kempten und Kaufbeuren gelegen, ca. 6400 Einwohner) und die beiden christlichen Kirchen riefen zu einem Lichterumzug und Kundgebung am Samstag, 27. Februar, auf. Nach einem ökumenischen Gottesdienst in der Kirche setzten sich 1500 Menschen mit Kerzen in den Händen in Bewegung zu der kurzen Demonstration durch den Ort zum Marktplatz. Dass nur ein Transparent mit der Aufschrift „Rassismus tötet“ zu sehen war, zeigt, dass es sich bei den vielen Menschen um alles andere als zugereiste Berufsdemonstranten gehandelt hat, wie etwa bei der Aktion der Rechten eine Woche davor. Dennoch waren auch Marktoberdorfer (die selbst erst Anfang Januar gegen einen Brandanschlag auf eine Flüchtlingsunterkunft demonstrieren mussten) und Kaufbeurer (darunter der Filmemacher Leo Hiemer ), die ebenfalls erst vor kurzem machtvoll gegen einen Brandanschlag demonstrierten, unter den Kundgebungsteilnehmern.

Die Pfarrer der beiden Kirchen beriefen sich nicht nur auf christliche Werte im Verhältnis zu Fremden und Asylsuchenden, sondern führten auch aus, dass der Artikel 1 des Grundgesetzes „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ sowohl für christliche Menschen ableitbar ist, als auch für islamische, atheistische und Agnostiker. Bürgermeister Lars Leveringhaus verteidigte Freiheit, Gleichheit und Menschenwürde. Gemeinderatsmitglied Michael Bauer machte klar, dass sich die Obergünzburger von Fackelzügen und simplen Wahrheiten von Schreihälsen distanzieren. Schließlich ergriff auch die 17-jährige Izel Taskin (türkischstämmig, in Kempten geboren und Obergünzburg aufgewachsen) im Namen des Obergünzburger Jugendzentrums das Wort und gab ihrer Hoffnung Ausdruck, dass Fremden auch weiterhin mit Weltoffenheit begegnet wird, wie ihr selbst das bisher von, Ausnahmen abgesehen, geschehen ist.

Es sei noch angemerkt, dass Lichterumzüge in Obergünzburg nicht ganz ungewöhnlich sind: im April 2013 demonstrierten die Obergünzburger mit einem solchen gegen die Schliessung ihres Krankenhauses (siehe Artikel auf dieser website).

 

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