Machtvolle Kundgebung gegen Brandanschlag auf Flüchtlingsheim in Kaufbeuren

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14.2.2016 - Erst Ende Dezember 2015 ereignete sich im 20 km entfernten Marktoberdorf ein Brandanschlag auf ein noch nicht bezogenes Asylbewerberheim. Zum Glück ging das Feuer schnell aus und führte zu keinen allzu großen Schäden. Am 7. Januar fanden sich dort mindestens 400 Menschen zu einem Friedensmarsch ein, mit dem gegen Ausländerfeindlichkeit und Fremdenhass protestiert wurde. Einige Tage später wurden nachts in Marktoberdorf an Geschäftshäuser, Rathaus, Landratsamt, Banken und die örtliche Redaktion der „Allgäuer Zeitung" Hetzplakate geklebt, die mit „Lügenpresse" und erfundenen Vergewaltigungen Hass schüren sollten.

Am frühen Sonntagmorgen, dem 7. Februar, wurde nun das gerade für 300.000,00 Euro renovierte und als Asylbewerberunterkunft vorgesehene ehemalige Vereins- und Stadtteilheim der „Neugablonzer Initiative" in Kaufbeuren-Neugablonz in Brand gesetzt. Der Dachstuhl brannte ab. Sachschaden von mehreren 100.000,00 Euro. Die städtischen Verantwortlichen und vor allem die Helfer und Unterstützer der bislang 646 Flüchtlinge in der 44.000-Einwohnerstadt zeigten sich erschüttert.

So rief nun das „Bündnis für Flüchtlinge", in dem vor allem die beiden christlichen Kirchen und die Stadt zusammenarbeiten, zusammen mit zwei islamischen Gemeinden und fast allen Parteien zu einer Demonstration und Kundgebung am Freitagabend auf. Mindestens 1000 Menschen (nach behördenoffiziellen Angaben) versammelten sich an der Christuskirche unter den Klängen einer Trommlergruppe. Dann formierte sich der Demonstrationszug zum abgebrannten Gebäude, wo eine Musik- und Gesangsgruppe Friedenslieder intonierte. Weiter ging es zum zentralen „Gablonzhaus", ein Bürgerzentrum der nach dem Kriege von und mit Flüchtlingen aus dem Sudetenland errichteten Satellitenstadt von Kaufbeuren.

Hier redeten u.a. der zweite Bürgermeister von Kaufbeuren, Gerhard Bucher (CSU) in Vertretung vom urlaubenden Oberbürgermeister Bosse. Er betonte, dass die Willkommenskultur von 1946 nach wie vor Gültigkeit habe und jeder Schutzsuchende in Kaufbeuren aufgenommen wird. Von Obergrenze und Grenzschließung, wie dies sein Parteivorsitzender Seehofer fordert, war keine Rede. Auch der Landtagsabgeordnete der Freien Wähler, Bernhard Pohl, erst vor kurzem wegen wiederholter Trunkenheit im Verkehr verurteilt, ließ es sich nicht nehmen, Worte der Solidarität an die Versammelten zu richten. Sebastian Stahl, der Pfarrer der Christusgemeinde, befürchtete, dass neuere Entwicklungen in der Diskussion um Flüchtlinge die christlichen Grundwerte aus dem Auge verlieren. Solidarität und Teilen dürfen nicht verloren gehen. Günter Kamleitner, Sprecher des „Asylkreises Kaufbeuren", freute sich über die überraschend hohe Beteiligung an der Kundgebung, die ihm und den im Asylkreis zusammengeschlossenen Helfern und Unterstützern der Flüchtlinge weitere Motivation geben. Er wies auch auf den Treffpunkt am nächsten Tag zwecks Abfahrt zur Anti-Siko-Demo in München hin, um dort gegen die Fluchtursachen zu demonstrieren. Ein syrischer Flüchtling aus Aleppo, seit fast einem Jahr in Kaufbeuren, schilderte in fast einwandfreiem Deutsch und bewegend die schwierige Lage seiner Frau und anderer Familienmitglieder, die sich noch dort befinden. Nicht zuletzt beeindruckte eine Sängerin aus dem kirchlichen Bereich mit ihren Liedern in Joan-Baez-Stimmlage.

Nachdenklich muss trotz der eindrucksvollen Aktion weiterhin stimmen, dass kurz vor dem Brandanschlag eine Unterschriftensammlung gegen die Asylberwerberunterkunft in der nächsten Umgebung stattgefunden hat. Die Stadt bemühte sich, aufkommende Hassgefühle mit der Zusage zu dämpfen, dass nur Familien in die neue Unterkunft einziehen sollen. Weiterhin gibt es auch in Kaufbeuren und Umgebung Ansätze zur Bildung von sog. „Bürgerwehren", wie sie in Memmingen bereits Realität geworden sind und die Ängste vor Ausländern schüren. Bleibt zu hoffen, dass die weltoffenen und humanistischen Kräfte die Entwicklung maßgeblich beeinflussen können, wie sie sich auch in großen Demonstrationen (eine zum Jahrestag organisiert vom „Antirassistischen Jugendaktionsbüro" in Kempten) nach der Ermordung des 34-jährigen, aus Kasachstan stammenden Kaufbeurer Familienvaters beim Tänzelfest 2013 manifestiert haben. Diese damalige Tat eines eindeutig neonazistisch vernetzten, mit 11 Jahren Haft bestraften Täters, wurde nie als solche mit rechtsradikalem Hintergrund eingestuft.

 

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