Mindelheim: Stolperstein für den Kommunisten Jakob Grünwald

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16.6.2015 - Im Mai dieses Jahres wurden in Mindelheim (Unterallgäu) die ersten Stolpersteine verlegt. Die Stadt Mindelheim und ihr Bürgermeister Dr. Stephan Winter (CSU) wollen damit an ermordete Opfer des Faschismus erinnern: Zum einen am Marienplatz an die jüdische Familie Jakob, Fanny und Werner Liebschütz. Außer dem letztgenannten, dem die Flucht in die USA gelang, wurden die anderen, wie die meisten Allgäuer Juden, 1942 über München in das KZ Piaski deportiert und getötet.

Zum anderen vor der Gerberstraße 21 an das KPD-Mitglied Jakob Grünwald. Der wurde schon im März 1933 nach dem Reichstagsbrand, wie Tausende andere Kommunisten in Deutschland, verhaftet, zusammen mit seinem Genossen Hans Miller (der den Faschismus überlebte). Doch bereits im Mai wurde er wieder freigelassen und der gelernte Sattler, Polsterer und Tapezierer fand Arbeit im Straßenbau.

Im November 1936 wurde Jakob Grünwald , wie auch wiederum sein Genosse Hans Miller, erneut verhaftet. Er hatte sich an dem einzigen bekannten Versuch beteiligt, im Allgäu eine illegale Organisation der KPD aufzubauen. Mit dem Schwerpunkt in Kaufbeuren wollten Kommunisten von Peißenberg über Weilheim, Schongau, Kaufbeuren, Mindelheim und Memmingen den Widerstand organisieren, vor allem mit dem Vertrieb von illegalen Druckschriften und Flugblättern. Diese erhielten sie über München (aus der Tschechoslowakei) und gelegentlich auch aus der Schweiz. Die Tragik: der Kopf der Organisation in München ging als der Spitzel „kleiner Willi“ oder auch „Willy“ in die Geschichte ein. Er wurde im KZ Dachau „umgedreht“. Gegen 58 Personen wurden Strafverfahren eingeleitet, 3 Motorräder wurden beschlagnahmt sowie große Mengen an Literatur und Druckschriften aus der legalen Zeit und danach. 11 der 58 Personen waren ehemalige Mitglieder der SPD bzw. des Arbeiter- Turn- und Sportvereins Kaufbeuren. Unter anderen wurde auch der noch nach 1945 lange aktive Kaufbeurer Kommunist Michael Rauch angeklagt, der von 1933 bis 1945 insgesamt 124 Monate, also über 10 Jahre, inhaftiert war. Es war aber auch sicher ein großes Wagnis, mit zum Teil polizeibekannten, schon früher verhafteten Antifaschisten, in diesem kleinstädtisch-ländlichen Raum, wo jeder jeden kennt, illegale Strukturen aufzubauen. Dabei wurde auch gegen einen Beschluß verstoßen, aus dem KZ Entlassene nicht in verantwortliche Funktionen einzubinden (so gelangte nämlich außer dem Spitzel Willi auch der Spitzel „Theo“ in seinen südbayrischen Wirkungskreis).

Jakob Grünwald musste bis Dezember 1937 in München-Stadelheim auf seinen Prozeß warten. Einmal konnte er in der Zeit, zum letzten Mal, von seiner kleinen Tochter besucht werden. Er wurde zu vier Jahren Zuchthaus wegen Vorbereitung zum Hochverrat verurteilt, unter Anrechnung der Untersuchungshaft. Anstatt 1940 dann freigelassen zu werden, kam er in das KZ Börgermoor. Später unter der Häftlingsnummer 8922 in das KZ Neuengamme bei Hamburg. Dort starb er erschöpft von den erlittenen Haftstrapazen im August 1943.

Die Stolpersteine wurden verlegt im Rahmen einer Gedenkfeier, bei der der zweite Bürgermeister Wawra die Begrüßung hielt, das Lied "Die Moorsoldaten" abgespielt wurde und Dr.Berndt Michael Linker die Würdigung vornahm. Linker verfasste auch die erst 2014 nach langen Anstrengungen und lange auf Ablehnung und Gleichgültigkeit gestoßene Chronik „Mindelheim im 20. Jahrhundert“, in der er erstmals gründlich auf die NS-Zeit in Mindelheim eingeht. Daraus bezog der Verfasser dieses Beitrags viele Kenntnisse, wie auch aus dem Standardwerk: Mehringer, Grossmann, Schönhoven: „Die Parteien KPD, SPD und BVP in Verfolgung und Widerstand“.

In der „UZ“ vom 5.6.2015 bedankten sich in einer Anzeige ein Dutzend Nachfahren von Jakob Grünwald bei den Verantwortlichen für die Verlegung des Stolpersteins.

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