Demokratische Volksrepublik Korea - Ein Reisebericht...

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...unter diesem Titel lud die DKP Ebersberg am 14. März nach Grafing ein. Mit 18 Teilnehmern war die Veranstaltung recht gut besucht. Unsere Referenten Gisela und Jacob aus Regensburg hatten Nordkorea im Juni 2013 eine Woche lang bereist.
 
 

Auf den Bildern aus der Hauptstadt Pjöngjang, die die beidenzu Beginn des Vortrags zeigten, fiel eins besonders stark ins Auge: Es waren nur ganz wenig Menschen in der Stadt unterwegs. Die Erklärung: Es war gerade die Zeit zum Reispflanzen. Alle Stadtbewohner, die an ihrem Arbeitsplatz abkömmlich waren, waren deshalb auf dem Land als Helfer eingesetzt.

 
Damit war schon mal klar: Das Leben in Nordkorea ist nicht immer ganz einfach! Das Land leidet noch immer unter den Folgen des Zerfalls der Sowjetunion und des sozialistischen Lagers. Bis etwa 1990 war Nordkorea, das gut Handelsbeziehungen zur Sowjetunion und anderen sozialistischen Ländern hatte, ökonomisch ein stabiles Land und die Versorgung der Bevölkerung war recht gut. Durch die Auflösung der Sowjetunion fiel für Nordkorea innerhalb kürzester Zeit der wichtigste Handelpartner und und vor allem die günstige Versorgung mit Rohstoffen, insbesondere Erdöl, weg. Dies führte zu einem wirtschaftlichen Schock, ähnlich wie ihn Kuba damals erlebt hatte.
 
Dazu kamen in den 90-iger Jahren des vergangenen Jahrhunderts Naturkatastrophen, die schlimme Missernten und in der Folge Hungersnöte auslösten. Die beiden berichteten von Gesprächen mit Menschen, die ihnen bestätigten, dass es damals zeitweise absolut nichts mehr zu Essen gab.
 
Heute ist die Lebensmittelversorgung des Landes wieder gesichert. Damit man nicht so ser auf die Ernteergebnisse von Reis angewiesen ist, werden heute verschiedene Feldfrüchte kultiviert, z. B. auch Kartoffel.
 
Allerdings ist die Landwirtschaft immer noch eines der Hauptprobleme der Nordkoreaner. Die beiden beobachteten bei ihren Fahrten sehr häufig den Einsatz von vielen Menschen und auch Zugtieren bei der landwirtschaftlichen Arbeit. Der Mechanisierungsgrad ist sehr gering und häufig fehlt Treibstoff. Dazu kommt, dass Nordkorea sehr gebirgig ist und in Relation zur Bevölkerung nur wenig landwirtschaftliche Nutzfläche hat.
 
Die Bauern sind in Genossenschaften organisiert. Sie müssen eine festgelegte Menge an Produkten an den Staat verkaufen, der damit eine Grundversorgung für die Bevölkerung über Bezugsscheine absichert. Bauern, die darüber hinaus produzieren, können auf Bauernmärkten zusätzlich verkaufen - da sind die Preise allerdings deutlich höher als bei Lebensmitteln, die über die Bezugsscheine herhältlich sind.
 
Im Bereich der industriellen Produktion versucht Nordkorea über Sonderwirtschaftszonen Anschluß an den Weltmarkt zu bekommen. Jakob und Gisela konnten die Sonderwirtschaftszone Kaes?ng an der Grenze zu Südkorea besuchen. Dort können südkoreanischen Firmen nordkoreanische Arbeitkräfte beschäftigen. Damit gewinnt Nordkorea dringend benötigte Devisen und kann sich auch technisches Know-how ins Land holen.
 
Die beiden konnten die enormen Probleme des Landes sehr unmittelbar erfahren. Bei ihren Fahrten über Land ging es nur zu oft aufgrund der schlechte Straßen sehr langsam voran. Viele Straßen sind von Schlaglöchern übersät. Was für die Touristen ärgerlich ist, ist für die Wirtschaft des Landes ein riesiges Transportproblem. Oft können Fahrzeuge nur mit 30 Km/h vorankommen. Wenn möglich, werden natürlich Reparaturarbeiten durchgeführt. Aber auch hier die Beobachtung: Die Nordkoreaner müssen Straßenreparaturen in langwieriger Handarbeit durchführen, die bei uns zügig mit Maschinen erledigt werden. Unübersehbar war, das Nordkoreas Städte nachts im Dunklen liegen - Energie ist kostbar in diesem Land.
 
Die beiden beschrieben ihre Reisebegleiter als sehr offen, am Weltgeschehen interessierte und auch gut darüber informierte Menschen. Von ihnen erfuhren sie, dass es in Nordkorea ein kostenloses staatliches Gesundheitswesen für alle Bürgerinnen und Bürger gibt. Allen Nordkoreanern wird Wohnraum kostenlos zur Verfügung gestellt. Allerding müssen Strom und Heizenergie bezahlt werden. Das Bildungssystem ist für alle kostenlos. Alle Schüler gehen bis zum Schulabschluß zwölf Klasen gemeinsam in die Schule. Als Fremdsprachen werden i. d. R. Chinesisch, Englisch und Japanisch unterrichtet. Eine Hochschul kann besuchen, wer die entsprechenden Aufnahmeprüfungen besteht. Zu Studienfächern, die in Nordkorea nicht angeboten werden, werden Studenten ins Ausland geschickt. Die weibliche Reisebegleiterin meinte, dass die Frauen in Nordkorea trotz formaler Gleichheit noch viel zu wenig Möglichkeiten hätten. Vorallen die wichtigen Positionen seien immer noch zu gut zwei Drittel von Männern besetzt. Frauen seien noch häufig in den "klassischen Frauenberufen" tätig.

 

Eine Frage wurde von den Reisebegleitern nicht beantwortet. Die Frage nach den näheren Verhältnissen der Familie Kim. Es war nur erkennbar, dass der Staatsgründer Kim Il Sung und seine Familie, insbesondere sein Sohn Kim Jong Il und sein derzeit regierender Enkel Kim Jong Un bei der Bevölkerung in sehr hohem Ansehen stehen und ihnen höchster Respekt entgegen gebracht wird.
 
Die Veranstaltung war insgesamt sehr lebendig, da es viele Nachfragen von den Teilnehmern gab. Eine Woche in Nordkorea reichte Gisela und Jakob aber verständlich nicht aus, um alle unsere Fragen zu beantworten. Aber es ist ihnen gelungen, sowohl ihre positiven Eindrück von Land und Menschen, wie auch die augenscheinlichen Probleme Nordkoreas in solidarischer Haltung zu vermitteln. Der Bericht der beiden war insgesamt ein äußerst wohltuend Kontrast zur gehäßigen Berichterstattung, die wir aus unseren Medien gewohnt sind. Wir können die ReferentInnen nur weiter empfehlen.
 
Zum Schluß der Veranstaltung gab es noch einen weiteren erfreulichen Aspekt: Bei unserer Spendesammlung, die wir zu Gunsten einer Aktion der Roten Hilfe für die von Repression bedrohte und bereits verfolgte Genossen in der Ukraine durchführten, landeten 120 Euro auf dem Teller.
 
DKP-Gruppe Ebersberg
 
 

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